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28.08.2019

Zur Einweihung der Skulptur „Baum des Lebens – Menora für Elias Grünebaum“

von Stefan Engel im Rahmen der Veranstaltung „Alte Welt im Aufbruch“  am 24.8.2019 in Reipoltskirchen

Zur Symbolik

Eine Skulptur für E. Grünebaum, einen bedeutenden Rabbi und Schriftsteller, der in der Pfalz, aber auch weit darüber hinaus, bis nach Amerika hin wirksam war mit Ideen von einer Liberalisierung des Judentums, ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Ohne ausreichende Bildquellen – ich konnte mehr ahnen als wissen, wie Grünebaum wohl ausgesehen haben mag -  war klar, dass ein Denkmal nur in einer abstrakten Formensprache Sinn machen würde und darüber möchte ich nun reden:

Wenn Sie die Silhouette der Plastik anschauen, sehen Sie zunächst eine Art Baum, darum auch „Baum des Lebens“, der irgendwie auch an eine Menora – den siebenarmigen Leuchter und das wichtigste Symbol des Judentums - erinnert: Bei der Staatsgründung Israels wurde es in das Staatswappen aufgenommen.

(Natürlich gibt es die Siebenzahl auch im Christentum als Zeichen der Vollendung der Schöpfung.)

Bei genauerer Betrachtung sehen wir den „Baum“ sich in zwei Zweige teilen, Hände, deren Finger in den Himmel gereckt sind. Das ist eine Gemeinsamkeit mit der segnenden Hand am ehemaligen Schwesternwohnheim, wo eine kleinere Nischenplastik den uns bekannten lateinischen Segensgestus abbildet.

Dieser jüdische Gestus hier dürfte weniger bekannt sein, weil er eben nur den Rabbinern vorbehalten war; zwei Handflächen (gelegentlich wird auch der Handrücken zum Betrachter gewendet) werden zwischen Mittel und Ringfinger gespreizt und zeigen den hebräischen Buchstaben Schin – der den Gottesnamen Schadai abkürzt.  Das ist ebenfalls ein Segensgestus, wie er am Ende von Gottesdiensten der Gemeinde gespendet wird.

Die „segnenden Hände“ finden sich häufig auf den Grabsteinen der Nachkommen von Priesterfamilien, achten Sie einmal beim Besuch eines jüdischen Friedhofs darauf.

In der Mitte der Plastik entsteht als Leerform ein Kreuz, was an die Begegnung der Religionen erinnern soll, die Grünebaum nicht nur theoretisch gefordert sondern auch gelebt hat - (dazu werden wir sicher von Roland Paul noch hören).

Ich könnte jetzt gerne noch über Zahlensymbolik sprechen

  • die Ziffer 3 als Symbol der Heiligkeit,
  • die Symbolik der Ziffer 4 als Fundament des Universums, das sowohl Himmel als auch Erde beinhaltet
  • und die 7 als das generelle Symbol für alles, was mit Gott zu tun hat …


In Anbetracht der vielen Programmpunkte heute, möchte ich Sie aber abschließend lediglich noch auf die Farbigkeit hinweisen:

In der Tora werden die Israeliten dazu aufgefordert, die Fäden ihres Tallit / Betschals blau zu färben. Der Anblick der königlichen Farbe soll an Gott im Himmel über uns erinnern. 

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