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Reipoltskirchen - Mit Holz vom Acker klimafreundlich heizen

 

Über eine intelligente Nutzung seiner Flächen einen Mehrwert für die Umwelt und das Klima schaffen und dabei die Wärmeversorgung des Seniorenheims Ingweilerhof sichern – das war das Ziel von Axel Schönbeck, Landwirt aus Reipoltskirchen, als er 2008 seine erste Kurzumtriebsplantage anlegte. In den darauffolgenden Jahren wurden mehrere Flächen hinzugenommen, die mit Schwarz- oder Balsampappeln, teilweise auch Robinie bepflanzt sind. Über die regelmäßige Ernte dieser Flächen kann Schönbeck nun das ganze Jahr über die 4.000 m² des Ingweilerhofs, darunter ein Seniorenheim mit 3000 m², mit Wärme aus Holzhackschnitzel versorgen.

Kurzumtriebsplantagen, kurz KUP, sind Dauerkulturen mit schnell wachsenden Gehölzen, die je nach Standort und Baumart alle 6-8 Jahre geerntet werden können und dann wieder von selbst austreiben. Als Baumart eignen sich wie hier Pappel oder Robinie, klimaresilienter, das heißt besser angepasst an die klimatischen Veränderungen durch den Klimawandel, ist noch die Hasel.

Zahlreiche Vorteile

Neben den Vorteilen für den Klimaschutz, die sich insbesondere durch die Verwendung der Hölzer als Brennmaterial und dafür als Alternative zu Heizöl und Erdgas ergeben, nennt Schönbeck weitere Vorzüge dieser Form der Bewirtschaftung: Kurzumtriebsplantagen können bei Hochwasser als Retentionsraum die zusätzlichen Wassermassen aufnehmen und außerdem insbesondere in Kombination mit landwirtschaftlich genutzten Flächen Windverwehungen reduzieren und die Artenvielfalt steigern. Denn: Untersuchungen auf seinen Flächen zeigen, dass in den Kurzumtriebsplantagen eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen anzutreffen ist. Bis zu 65 verschiedene Vogelarten wurden auf seinen Flächen bereits gezählt. Diese Tatsache erlebe ich live, als ich Schönbeck auf seinen Flächen besuche: Als wir über eine Anhöhe fahren, laufen uns Mufflons über den Weg, eine Art Wildschaf, das eigentlich am Donnersberg lebt, aber im Frühjahr zum Lammen den Schutz von Schönbecks Kurzumtriebsplantagen sucht.

Schönbeck empfiehlt die Nutzung von schnellwachsenden Gehölzen insbesondere an Ackerrandstreifen und an Gewässern, da hier die Vielzahl an Vorteilen zum Vorschein tritt. Besonders vorteilhaft ist, dass die Gehölze einen unerwünschten Nährstoffeintrag, insbesondere von Nitrat, ins Gewässer sicher vermeiden.

Flächen sind vorhanden

Kurzumtriebsplantagen sind besonders dann für die Wärmeversorgung zu empfehlen, wenn ein großer Abnehmer, wie hier das Seniorenheim, aber auch andere große Wärmeverbraucher, wie soziale Einrichtungen, Industrie oder Nahwärmenetze für eine sichere Abnahme sorgen. Aus diesem Grund beteiligt sich Schönbeck aktiv am Arbeitskreis Klimaschutz, um dort die Vorteile der KUPs für die regionale Wertschöpfung hervorzuheben und andere Landwirte bei der Umsetzung von ähnlichen Projekten zu unterstützen. Mögliche Flächen für Kurzumtriebsplantagen gebe es seiner Meinung nach viele, es brauche nur mehr Unterstützung, gerade auch was finanzielle Anreize angeht.

 

Bild 1: Axel Schönbeck zeigt mir eine Kultur, die im letzten Jahr geerntet wurde und wieder ausgetrieben ist.

Bild 2: Nach der Ernte werden die Hölzer bündig gesammelt und nach dem Trocknen zu Holzhackschnitzeln verarbeitet.

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