Sie befinden sich hier

Inhalt

Meldewesen: Informationen für Ärzte und Labore

 

Neuigkeiten aus dem Bereich des Infektionsschutzes: Neue Meldepflichten für Ärzte und Labore und schnellere Informationsweitergabe zum Nutzen für alle

Manfred Vogt1, Florian Burckhardt1, Angelika Hornig2, Stefan Bent1

Zweck des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ist es, übertragbare Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzei­tig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern. Ein Mittel ist die hierzu im Gesetz festgeschriebene Meldepflicht für die Ärzteschaft und Labore. Zum Teil namentlich zum Teil auch anonym müssen übertragbare Krankheiten oder der Ver­dacht darauf bzw. entsprechende Erregernachweise an die Gesundheitsämter gemeldet werden, um ein rasches Handeln des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sicherzustellen Am 29. März 2013 sind hierzu im Infektionsschutzgesetz zwei wichtige Änderungen in Kraft getreten.
• die Liste der meldepflichtigen Erkrankungen des IfSG wurde um die Kategorien Mumps, Pertussis, Röteln und Varizellen erweitert.
• Das Meldewesen wurde durch eine Verkürzung der wöchent­lichen auf tägliche Übermittlungsfristen beschleunigt.

Erweiterung der Meldepflicht

Die erste Änderung betrifft die Einführung von neuen Melde­pflichten für vier impfpräventable Infektionskrankheiten. Es sind nun auch der Krankheitsverdacht, die Erkrankung und der Tod an
• Mumps,
• Pertussis,
• Röteln einschließlich Rötelnembryopathie und
• Varizellen (nicht Herpes Zoster/ Gürtelrose)
dem Gesundheitsamt namentlich zu melden.

Zur Meldung sind sowohl die feststellenden Ärztinnen und Ärzte als auch – im Falle eines Labornachweises – die Leitungen der Labore verpflichtet. Für das Labor besteht eine Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis – soweit die Nachweis auf eine akute Infektion hindeuten – mit dem Mumps-Virus, mit Bordetella pertussis oder Bordetella paraper­tussis, mit dem Röteln-Virus oder mit dem Varizella-Zoster-Virus.

Beim indirekten Erregernachweis gibt in der Regel der Nach­weis spezifischer IgM-Antikörper oder eine deutliche Titerände­rung zwischen zwei spezifischen IgG-Antikörperbestimmun­gen im ELISA einen Hinweis auf das Vorliegen einer akuten Infektion.

Mit den Änderungen bzw. Erweiterungen der Meldepflicht werden wichtige Ziele erreicht: Der öffentliche Gesundheits­dienst erhält die Möglichkeit, frühzeitig Maßnahmen des Infek­tionsschutzes einzuleiten, um die Weiterverbreitung von die­sen Infektionskrankheiten zu verhindern. Dies beinhaltet zum Beispiel auch die Ermittlung von Kontaktpersonen, insbeson­dere solche mit einer besonderen Gefährdung, z.B. Schwan-gere (Röteln) oder Säuglinge (Pertussis, Varizellen) und die Durchführung von postexpositionellen Immunisierungen oder einer Chemoprophylaxe.

Durch diese Gesetzesänderung wird es nun außerdem möglich, bundesweit verlässliche epidemiologische Daten zur Krank­heitslast von Mumps, Pertussis, Röteln und Varizellen zu erhe­ben, was zuvor nur in wenigen Bundesländern der Fall war. Das ist vor allem für impf-präventable Krankheiten von überragen­der Bedeutung, denn so kann eine bessere Kontrolle über die Umsetzung und Effektivität der Impfempfehlungen der Ständi­gen Impfkommission (STIKO) herbeigeführt werden. Die Daten sollen die nötigen Hinweise auf mögliche Impfdurchbrüche liefern, die gegebenenfalls zu Änderungen der Impfempfehlun­gen führen müssen. Darüber hinaus können sie Aufschluss über einen unzureichenden Impfschutz in Bevölkerungsgruppen geben, der dann gezielt vervollständigt beziehungsweise opti­miert werden kann.

Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei – neben den bereits seit langem meldepflichtigen Masern – die Röteln ein. So ist es das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in Europa bis zum Jahr 2015 neben Masern auch die Röteln zu eliminieren. Als Maßzahl wird seitens der WHO maximal ein Fall auf eine Million Einwohner akzeptiert. Das Erreichen dieses Zieles setzt allerdings einen hohen Durchimpfungsgrad der Bevölkerung voraus und mit der Meldepflicht ein Instrumenta­rium für ein rasches Erkennen von verdächtigen Erkrankungs­fällen, um deren Weiterverbreitung zu verhindern.

Schnellere Information

Die Erfahrung aus großen überregionalen Krankheitsausbrü­chen der letzten Jahre, wie beispielsweise der EHEC Epidemie, hat die große Bedeutung eines schnelleren Meldeweges deut­lich gemacht. Die zweite wesentliche Änderung des Meldewe­sens betrifft daher die Geschwindigkeit mit der Meldungen von der Ärzteschaft an das Gesundheitsamt sowie von dort über die zentrale rheinland-pfälzische Meldebehörde beim Landes­untersuchungsamt an das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Bun­desebene erfolgen müssen.

Die namentliche Meldung an das Gesundheitsamt muss wie bisher unverzüglich erfolgen. In der Gesetzesänderung ist nun jedoch zusätzlich festgehalten, dass durch den Meldepflichti­gen sichergestellt werden muss, dass die Meldung dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vorliegt. Damit dürfte in aller Regel die Meldung auf dem Postweg nicht mehr den gesetzlichen Zeitvorgaben genü­gen.

Neu sind auch verkürzte Übermittlungsfristen vom Gesund­heitsamt an die Landesstelle und das RKI, nach denen die Mel­dungen jeweils spätestens am folgenden Arbeitstag zu über­mitteln sind. Werden alle Fristen eingehalten, so können ein­zelne Erkrankungsfälle innerhalb von drei Arbeitstagen am RKI in einen gesamtepidemiologischen Zusammenhang gebracht und bewertet werden.

Die Weiterleitung von Meldungen bis an das RKI mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen für das Handeln des Öffent­lichen Gesundheitsdienstes setzt voraus, dass bundesweit einheitliche Kriterien zur Beurteilung einer Meldung gelten. Die Gesundheitsämter haben daher neben der Gefahrenabwehr vor Ort auch die Aufgabe, eingegangene Meldungen anhand sogenannter „Falldefinitionen“ des RKI zu prüfen. Die anonymi­sierte Weiterleitung eines Verdachts- oder Krankheitsfalles an die Landesstelle erfolgt nur, wenn diese Fallkriterien erfüllt sind. Die Landesstelle macht dann eine erste Analyse auf kreisüber­greifende epidemische Geschehen. Von dort werden die Daten mehrmals täglich, spätestens jedoch am folgenden Arbeitstag an das RKI übermittelt. Es soll bei dieser Gelegenheit betont werden, dass der erste Schritt im Meldeweg – die Meldung einer übertragbaren Erkrankung oder des Verdachtes darauf, durch den Arzt oder das Labor an das Gesundheitsamt – der wesentliche Reaktionsschritt ist.

Die neuen Meldeformulare mit den vom Gesetzgeber festge­legten Angaben, sind bei den kommunalen Gesundheitsäm­tern der Kreisverwaltungen erhältlich und können auch auf der Internetseite des Landesuntersuchungsamtes im Downloadbe­reich (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.lua.rlp.de) heruntergeladen werden. Bei Fragen zu Meldungen im Einzelnen oder bei besonderer Eilbedürftigkeit kann die Kontaktaufnahme zum Gesundheitsamt auch telefo­nisch erfolgen. Alle zur Meldung Verpflichteten (zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser oder Labore) sollten die Kontaktdaten des jeweils zuständigen Gesundheitsamtes ken­nen. Die namentliche Arztmeldung einer Erkrankung erfolgt an das für den Aufenthalt des Betroffenen zuständige Gesund­heitsamt, auch wenn es sich wie bei einem Hotel- oder Kran­kenhaus eventuell nur um einen vorübergehenden Aufenthalt handelt. So können unverzüglich die vor Ort erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden. Meldungen der Labore gehen an das für den Einsender zuständige Gesundheitsamt.

Fazit

Die unverzügliche Meldung von Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfällen sowie die Meldung von Krankheitserregern sind zentrale Elemente des Infektionsschutzes und Basis für Maß­nahmen der Gesundheitsbehörden. Die Mitwirkung aller Ärz­tinnen, Ärzte und Labore im Meldewesen, gerade auch für die impfpräventablen Erkrankungen sind für eine erfolgreiche Infektionsschutzstrategie unverzichtbar. Je früher eine Mel­dung beim Gesundheitsamt eingeht, desto schneller kann der Öffentliche Gesundheitsdienst die erforderlichen Ermittlungen anstellen und regional und überregional Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung ergreifen. Die jüngsten Änderungen im Infektionsschutzgesetz (IfSG) stellen einen wichtigen Schritt zur Verbesserung unserer Infektionsschutzstrategien dar.

Links:

Die neuen Meldeformulare für Arzt und Labor können auf der Internetseite des Landesuntersuchungsamtes (LUA) im Down­loadbereich unter Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://lua.rlp.de/downloads/infektionsp­raevention heruntergeladen werden.

Literaturliste bei den Autoren

Die Autoren

1) Dr. Manfred Vogt
Florian Burckhardt
Landesuntersuchungsamt
Mainzer Str.112
56068 Koblenz

2) Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie

(Quelle: Ärzteblatt Rheinland-Pfalz 8/2013) 

 

Meldebögen für Ärzte und Labore:

Leitet Herunterladen der Datei einArztmeldebogen  Meldepflichtige Krankheit gemäß §§ 6, 8, 9 IfSG
Leitet Herunterladen der Datei einArztmeldebogen Meldepflichtige Krankheit gemäß §1 Aviäre-Influenza-Meldepflicht-Verordnung
Leitet Herunterladen der Datei einArztmeldebogen für Hämolytisch Urämisches Syndrom (HUS) Krankheitsverdacht, Erkrankung, Todesfall
Leitet Herunterladen der Datei einArztmeldebogen  Meldung einer Lyme-Borreliose gemäß § 2 der Landesverordnung über die Erweiterung der Meldepflicht für übertragbare Krankheiten des Landes Rheinland-Pfalz
Leitet Herunterladen der Datei einLabor-Meldeformular Nachweise von Krankheitserregern gemäß §§ 7, 8, 9 IfSG  

Leitet Herunterladen der Datei einMeldeformular Benachrichtigungspflichtige Krankheiten gemäß § 34 Infektionsschutzgesetz

Kontextspalte