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Geschichtlicher Überblick über den Landkreis Kusel

 

Aus der Urgeschichte des Landkreises Kusel sind wenige Zeugnisse erhalten geblieben, die meisten davon stammen aus der Zeit, als die Pfalz ein Meer war und etwa am Äquator lag. Das Permokarbon, die Zeit, als sich vor rund 270 Millionen Jahren das Leben vom Wasser an Land wagte, ist durch zahlreiche Fossilienfunde illustriert. Prominentester Vertreter dieser urgeschichtlichen Epoche dürfte der „weiße Hai” sein, der im Geoskop auf Burg Lichtenberg zu sehen ist. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit stammen aus der älteren Steinzeit, wenn auch Spuren von Siedlungen fehlen. Ein gleiches gilt für die mittlere Steinzeit, die jüngere Steinzeit hinterließ wenig mehr als einige Steinbeile.

Belebter war die Gegend in der Eisenzeit etwa 800 v. Chr., aus diesem Zeitalter sind insbesondere Hügelgräber zu finden, deren Zahl im Kreisgebiet auf 240 geschätzt wird. Die römische Epoche ab der Zeitenwende hat einzelne Gehöfte („Villa Rustica”) und andere Fundamente in über 80 Gemeinden des Kreisgebiets hinterlassen, eine größere geschlossene Siedlung gab es freilich nicht. Allerdings ist bei Reichweiler das Mithrasdenkmal, der Rest einer römischen Kultstätte erhalten geblieben. Die Römer wiederum, hier zeigt sich, daß die Gegend schon sehr früh und immer wieder Schauplatz militärischer Operationen war, wurden um 350 n. Chr. von den Alemannen verdrängt. Jene wiederum wurden von fränkischen Heeren intensiv bekämpft, die letzte große und für die Franken siegbringende Schlacht fand um 506 bei Straßburg statt. Im Zusammenhang mit Frankenkönig Chlodwig und den Reimser Bischöfen Remigius und Hinkmar finden „Cosla” (Kusel) und „Gleni” (Altenglan) ihre erste Erwähnung als Siedlungsstätten. Hinkmar ist übrigens zumindest Mitverursacher von allerlei Lebensläufen und Legenden, nach denen Remigius als Apostel im Glangebiet gewirkt haben soll. In Wahrheit hat lediglich Hinkmar die dichterische Freiheit etwas überdehnt. Tatsache ist aber, daß der Raum Kusel Reimser Besitztum war. 1550 geht das Remigiusland durch Kauf in den Besitz von Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken über.

Den Grafen von Veldenz verdanken wir das Wahrzeichen des Kreises, die Burg Lichtenberg. Zunächst ein klarer Fall von Bauen ohne Genehmigung, begonnen um 1200 von Gerlach III, hatte die Burg ihre höchste Bedeutung als Sitz des Oberamtes. Der Verwaltungssitz wurde später nach Kusel verlegt, die vernachlässigte Burg 1799 durch einen Brand verwüstet. Die Veldenzer Grafen waren zunächst Schutzvögte der Reimser, konnten aber unter anderem durch den Bau der Burg auch die eigentliche Herrschaft über das Land erreichen. 1444 geht der Besitz an die Herzöge von Zweibrücken über.

Zur Ruhe kam das Land eigentlich nie richtig. Ob es im frühen 15. Jahrhundert herrenlos marodierende Soldaten oder im Dreißigjährigen Krieg reguläre Truppen waren, Plünderung und die Zerstörung von Siedlungen sind ein wesentliches Merkmal der Geschichte des Landkreises. Natürlich blieben auch Konflikte um die Rechtmäßigkeit von Landbesitz nicht aus, hier sei nur die Fehde Ludwigs I erwähnt, der um 1460 etliche Kriege gegen Kurfürst Friedrich führte, weil er dessen Lehenshoheit nicht anerkannte. Im Dreißigjährigen Krieg wird Kusel 1635 von den Kroaten völlig zerstört, die Stadt bleibt einige Zeit unbewohnt. Das gleiche Schicksal teilen 56 von 93 Siedlungen um das Glantal, die durch kaiserlich-spanische Truppen verwüstet werden. Im Gefolge des Krieges ziehen nicht nur plündernde Soldaten aus vieler Herren Länder durch die Region. Weit größeres Leid bringt die Pest über das Land, die nach 1635 ganze Dörfer ausradiert. Die Überlebenden schrecken gelegentlich auch vor Kannibalismus nicht zurück.

Die Neubesiedelung des Kreises erfolgte durch Zuzug von Menschen hauptsächlich aus der Schweiz und Tirol, die Friedensperiode dauerte aber nur ein Vierteljahrhundert. 1677 wird Kusel wieder angezündet, im Amt Kübelberg plündern die Franzosen, Waldmohr wird vollständig dem Erdboden gleichgemacht. 1681 stehen Lichtenberg und Lauterecken unter französischer Besatzung, der Pfälzische Erbfolgekrieg bringt zwischen 1688 und 97 die nächsten Verwüstungen. Doch damit nicht genug. Kaum eine Auseinandersetzung brach in diesen Jahren aus, ohne daß die Menschen im Kuseler Land darunter zu leiden hatten. 1701 bis 14 bekriegen sich England, Holland und Österreich auf der einen, Frankreich und Bayern auf der anderen Seite. Es geht um die Erbschaft in Spanien, das Kuseler Land ist wieder einmal Durchmarschgebiet. Einquartierung und die Verpflichtung zur Verpflegung von Soldaten, diesmal aber ohne größere Plünderungen, bringt der Kampf um die Erbfolge in Polen.

Die Folgen dieser ständigen Meuchel- und Beutezüge in der Region sind eine darniederliegende Wirtschaft und eine Auswandererwelle. Osteuropa und Amerika versprachen bessere Perspektiven als die schwer gebeutelte Heimat. Die hatte allerdings bis zur französischen Revolution ausnahmsweise eine längere Periode des Friedens, in der sich die Verhältnisse wieder besserten.

Bevor die Revolution ihre Kinder fraß, verdaute sie etliches an Unbeteiligtem. 1793 führen Preußen und Österreich unter Generalfeldmarschall Blücher Gefechte gegen französische Truppen unter General Hoche. Blücher weicht nach Norden aus, die ihm nachsetzenden Revolutionstruppen schlagen eine Schneise der Zerstörung duch den Kreis. Überall fordern sie Geld, nehmen zur Unterstützung ihrer Forderung Geiseln. Gefälschte Schuldverschreibungen (Assignaten), die einem dieser Lösegelder untergemischt sind, besiegeln schließlich das Schicksal von Kusel. Einen Tag vor dem Sturz Robespierres läßt Volksrepräsentant Hentz die Stadt anzünden. Als sich die Lage in Frankreich klärt, sagt der Konvent eine Untersuchung zu, Hentz indessen kann nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Er hat sich nach Amerika abgesetzt.

Ein prägender Abschnitt soll noch Erwähnung finden. An der Schwelle des 20. Jahrunderts wird die Not nach einigen mehr oder weniger friedlichen Jahren im Kuseler Land erneut größer. Die wachsende Bevölkerung der Region ist mit dem, was der karge Boden hergibt, kaum zu ernähren. Aus der Armut geboren, schlägt hier die Stunde der Musikanten. Zwar stimmt es vielleicht doch nicht ganz, daß Kolumbus 1492 bei seiner Ankunft in Amerika von einer Jettenbacher Blaskapelle empfangen wurde. Sicher ist aber, daß die Musikanten aus dem Kreis Kusel in alle Welt wanderten, mit dem dort verdienten Geld ihre Familien ernährten. In der Blütezeit des Wandermusikantentums waren schätzungsweise 2500 Leute auf Tour.

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